MDR lässt Publikum schönstes deutsches Volkslied wählen

Im September 2011 konnten Zuschauer des MDR Fernsehens, Hörer von MDR Figaro und Nutzer der MDR-Netzseiten abstimmen sowie eigene Vorschläge unterbreiten

Die Wartburg: Ehemals Austragungsort des Sängerkrieges, fand hier nun die Suche nach dem schönsten deutschen Volkslied ihren Abschluss

Die Zuschauer und Hörer des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) haben entschieden: »Die Gedanken sind frei« ist das schönste deutsche Volkslied. Über zwei Wochen konnte telefonisch oder im Netz auf den Seiten des MDR abgestimmt werden. „Die Wahl zeigt den Wert, den die Freiheit beim Publikum in Mitteldeutschland genießt und dass es sich beim deutschen Volkslied nach wie vor um ein hohes Gut handelt”, meint MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller. MDR Fernsehen und MDR Figaro stellten 20 Volkslieder zur Wahl, es konnten aber auch eigene Vorschläge eingereicht werden. Tausende Zuschauer, Hörer und Internetnutzer beteiligten sich an der Abstimmung. Auf die Plätze zwei und drei wurden »Der Mond ist aufgegangen« und »Im schönsten Wiesengrunde« gewählt. Es folgen »Kein schöner Land«, »Ännchen von Tharau« und »Am Brunnen vor dem Tore«.

Der MDR kommt zu dem Ergebnis, dass das Volkslied noch nicht in Vergessenheit geraten sei. Neben der regen Beteiligung an der Abstimmung der vorgegebenen Lieder belegten dies die zahlreichen Vorschläge für das schönste deutsche Volkslied. Unter den 171 Publikumseinsendungen waren die Favoriten das »Heidenröslein«, »Bunt sind schon die Wälder«, »O Täler weit, o Höhen« und »Hoch auf dem gelben Wagen«. Besonders häufig wurde bei den regional bedeutenden Volksliedern das vergleichsweise junge »Rennsteiglied« genannt. Das MDR-Publikum zeichnete auch die Aneignung des ursprünglichen Pionierliedes »Unsre Heimat« und die Vertonung von Friedrich Schillers Gedicht »Ode an die Freude« in der Bearbeitung Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie als Volkslied aus.

In der Septemberausgabe ihrer monatlich erscheinenden Publikumszeitschrift »mittendrin« gab sich die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in einem ganzseitigen Beitrag unter der Überschrift „Rettungsmission »Volksmusik«: Auf das der Müller ewig wandere!“ betont kritisch: „Volksmusik steht für Millionengewinne und Traumquoten. Das hat die Unterhaltungsindustrie längst erkannt – die Branche boomt. Doch von authentischer deutscher Volksmusik kann hier nicht die Rede sein. Damit die wahren Volkslieder nicht in Vergessenheit geraten, kommen ihnen jetzt MDR Figaro und MDR Fernsehen zu Hilfe.“, heißt es in der Überschrift. 

      

Dabei hat der MDR für die Ankündigung und die Begleitung dieser Publikumsaktion alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt: Die Druckausgabe der »mittendrin«, das Netz unter mdr.de, das Fernsehen, den Hörfunk und den hauseigenen Klangkörper mit dem Kinder- und Rundfunkchor. 2012 sollen die 20 Volkslieder auf CD erscheinen. Unter mdr.de wurden ab 12. September umfangreiche Informationen und die zur Auswahl stehenden Volkslieder veröffentlicht. Ab 19. September berichteten Hörfunk und Fernsehen mit redaktionellen Beiträgen und Gesprächsrunden über interessante Gesichtspunkte rund um das deutsche Volkslied. Den Höhepunkt bildete am 30. September eine 90-minütige Direktübertragung des Finales von der Wartburg in Eisenach, dem einstigen Austragungsort des Sängerkrieges. Das Kulturradio MDR Figaro hat die Kür des schönsten deutschen Volksliedes in voller Länge gesendet und mehrmals wiederholt. Das Fernsehen schaltete einige Male auf die Wartburg, sendete ein kurzweiliges Interview mit Gotthilf Fischer und war bei der Verkündung der Siegerlieder dabei.

      

MDR-Moderatoren Katrin Huß und Thomas Bille verkündeten gemeinsam die Gewinner der Aktion

 

Mitglieder des MDR Rundfunkchores sangen zahlreiche Volkslieder unter der Leitung von Robert Blank

 

 Direktübertragung von der Wartburg: „Hier ab vier“-Moderatorin Katrin Huß im Gespräch mit Gotthilf Fischer

Mit dieser Aktion ist der MDR auf dem rechten Weg, denn im Sommer hatte der VDS in Leipzig gegen die Benachteiligung deutschsprachiger Musik protestiert. VDS-Vorstandsmitglied Heiner Schäferhoff und der Dresdner VDS-Regionalleiter Peter Jaensch riefen Anfang Juli zu einer Demonstration »Mehr Deutsch im Radio« vor das MDR-Hochhaus in der Leipziger Innenstadt auf und überreichten dort eine Protestnote. Als wenn dies Wirkung zeigt, wartete der MDR nun mit dieser erstaunenswerten Aktion auf, mit der die ARD-Anstalt einen wertvollen Beitrag gegen das Vergessen von Liedgut vergangener Zeiten leistet. „Wir freuen uns darüber, dass der MDR sich nun für den Erhalt deutscher Volkslieder einsetzt“, sagt Schäferhoff. Denn für den VDS gehören Sprache und Lieder untrennbar zusammen.

„Singen ist beliebt und tut gut. Die Pflege des klassischen Volksliedes gehört seit Sendebeginn des MDR zu seinen kulturellen Aufgaben, ist es doch ein wichtiger Bestandteil der Identität von Menschen in ihren jeweiligen Regionen. Gerade diese regionale Identität zu stärken, hat sich der MDR ja auf vielfältige Weise auf seine Fahnen geschrieben, sowohl auf historischem als auch kulturellem Gebiet“, erläutert Dirk Thärichen, MDR-Unternehmenssprecher, das Engagement in Sachen Volkslied. Wobei diesem Genre in den neun ARD-Länderanstalten ein sehr unterschiedlicher Stellenwert beigemessen wird.

Während Radio Bremen, der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und der Saarländische Rundfunk (SR) keine eigenen Sendeformate für Volkslieder besitzen, werden beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) regelmäßig Volkslieder gesendet. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat wöchentlich zwei feste Sendeplätze im Abendprogramm, in denen Volkslieder und Chöre zu Gehör gebracht werden. Der Hessische Rundfunk (hr) sendet in seinem Fernsehprogramm mit großem Erfolg Sendungen mit Volksliedern. Am 3. Oktober brachte es das dritte Programm mit dem »Chorfest der Volkslieder« zur abendlichen Hauptsendezeit in Hessen auf 300.000 Zuschauer (Marktanteil 11,4 Prozent), bundesweit schauten sich zwischen 870.000 und 940.000 Zuschauer diese Sendung an. Besonders traditionsbewusst kommt der Bayerische Rundfunk (BR) daher. Hier gibt es zahlreiche Sendeplätze sowie Konzerte im Hörfunk und Fernsehen, aber auch eine eigene Rubrik im Netz unter br-volksmusikplattform.de.

aktualisiert Eine besondere Erwähnung verdient der Südwestrundfunk (SWR). SWR 2 hat im November 2009 gemeinsam mit dem Carus-Verlag eine Initiative gestartet, um dem Volkslied gesteigerte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dazu gehören wöchentliche Sendungen mit Wiegenliedern (2009/10), Volksliedern (2010/11), Kinderliedern (2011/12) und Weihnachtsliedern (2012/13), Liederbücher, Konzerte und Mitsing-CDs. Im Netzangebot unter swr2.de werden die Beiträge redaktionell begleitet und umfassend archiviert. Bei zahlreichen ARD-Anstalten hat diese Aktion Aufmerksamkeit erregt und wurde übernommen. Daraus entstand das »Liederprojekt«, eine Aktion der ARD-Kulturwellen, von Buch- und Zeitungsverlagen sowie Musikverbänden. Auch die MDR-Aktion »Das schönste deutsche Volkslied« ist eine direkte Fortführung dieser Aktivitäten.

Auf der Vorstandssitzung des Vereins Deutsche Sprache am 16. Oktober in Kassel stellte Jörg Bönisch, stellv. Regionalleiter der Landesregionalgruppe Sachsen-Anhalt, die Aktion des MDR sowie die Aktivitäten der ARD-Länderanstalten vor. Hier geht es zur Präsentation.

Diese 20 Volkslieder stellte der MDR zur Auswahl: 

Die zehn Siegertitel:                                           

Die zehn weiteren Volkslieder:

 1. Die Gedanken sind frei

• Das Wandern

 2. Der Mond ist aufgegangen

• Der Mai ist gekommen

 3. Im schönsten Wiesengrunde

• Es klappert die Mühle

 4. Kein schöner Land

• Nun will der Lenz uns grüßen

 5. Ännchen von Tharau

• Horch, was kommt von draußen rein

 6. Am Brunnen vor dem Tore

• Kommt ein Vogel geflogen

 7. Wenn alle Brünnlein fließen

• Innsbruck, ich muss dich lassen

 8. Wem Gott will rechte Gunst erweisen

• Auf einem Baum ein Kuckuck

 9. An der Saale hellem Strande

• Ich hab' die Nacht geträumet

10. Alle Vögel sind schon da

• Wenn ich ein Vöglein wär


© Text: Jörg Bönisch, Fotos: Jörg Bönisch (1), MDR/Marco Prosch (3), Quelle für die Landkarte: www.ard.de